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Rote „Quallen“ über Korsika: Die Kobolde kamen von einem 600 km entfernten Gewitter

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· L’essentiel · NASA

In der Nacht vom 16. auf den 17. September 2026 fing der Fotograf Florian Riou riesige Rote Kobolde über dem Dorf Montemaggiore bei Calvi auf Korsika ein; im Oktober gingen seine Bilder viral. Kobolde sind Lichtblitze in 50–90 km Höhe, knapp unter der Grenze zum All, ausgelöst von starken Blitzen, und sie dauern wenige Millisekunden. Das Gewitter tobte bei Barcelona, rund 500–700 km entfernt: In dieser Entfernung liegen die Wolken unter dem Horizont, die Kobolde aber noch etwa 5° darüber. Unsere Einschätzung: ein schönes Beispiel, wie der Himmel über dem Meer ein Gewitter verstecken und trotzdem sein Feuerwerk zeigen kann.

50–90 kmHöhe eines Roten Kobolds
≈ 600 kmvon Korsika bis zum Gewitter bei Barcelona
msdauert nur wenige Millisekunden

Quelle: L’essentiel · NASA

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Atmosphäre am Rand des Weltraums · Rote Kobolde · Korsika

Riesige rote „Quallen“ über einem korsischen Dorf: Was wurde fotografiert?

Der französische Fotograf Florian Riou stellte in der Nacht vom 16. auf den 17. September 2026 seine Kamera in Montemaggiore auf, einem Bergdorf bei Calvi auf Korsika. Was er einfing, sieht aus wie riesige rote Quallen, die über den Häusern am Himmel hängen. Im Oktober gingen die Bilder viral, und viele fragten: Ist das echt, und hat das mit dem Weltraum zu tun?

Es ist echt – ein Roter Kobold (Red Sprite): ein Lichtblitz in 50 bis 90 Kilometern Höhe, hoch über einem Gewitter. Er dauert nur wenige Millisekunden, deshalb sieht das Auge ihn fast nie. Überraschend ist, wo das Gewitter war: gar nicht über Korsika, sondern bei Barcelona, etwa 500 bis 700 Kilometer entfernt jenseits des Meeres.

Wie kann ein 600 km entferntes Gewitter über dem Dorf erscheinen?

Wegen der Erdkrümmung. In dieser Entfernung sind die Gewitterwolken, deren Obergrenze etwa 12 km erreicht, längst unter den Horizont gesunken. Unsere Rechnung auf der Erdkugel zeigt: Eine Wolkenobergrenze in 600 km Entfernung liegt etwa 1,6° unter dem Horizont, ein Kobold in 80 km Höhe dagegen noch etwa 5° darüber. Der Fotograf sieht den Kobold also über den Dächern schweben, ohne ein Gewitter zu sehen.

Ausgelöst werden Kobolde von besonders starken, meist positiven Blitzen, die auf einen Schlag sehr viel Ladung in den Boden abgeben. Für einen Moment bleibt über der Wolke ein starkes elektrisches Feld zurück; die dünne Luft dort oben schlägt durch und leuchtet. Die rote Farbe stammt vom Stickstoff.

Höhe≈ 50–90 km
Dauerwenige Millisekunden
Aufgenommen inMontemaggiore bei Calvi (Korsika)
Gewitterbei Barcelona, ≈ 500–700 km entfernt
Nacht16.–17. September 2026
Grenze zum All100 km (Kármán-Linie)

Warum der Kobold zu sehen ist und das Gewitter nicht

12 km Wolkenobergrenze100 km: Grenze zum AllKobold 50–90 kmSichtlinie (Horizont)Korsika (Calvi)Gewitter (Barcelona)↔ ≈ 600 kmAnimation, nicht maßstäblich

Eigene Astrometrik-Animation; Höhen und Erdkrümmung sind übertrieben. Im fernen Gewitter zuckt ein Blitz, dann leuchtet 50–90 km darüber für einen Sekundenbruchteil ein Roter Kobold auf. Die gestrichelte Linie ist der Horizont des Fotografen: Die Wolke bleibt darunter, der Kobold ragt darüber.

Ist das Weltraum? Fast

Der Weltraum beginnt nach gängiger Definition bei 100 km, der Kármán-Linie. Kobolde entstehen knapp darunter in der Mesosphäre – zu hoch für Flugzeuge und Ballone, zu tief für Satelliten. Deshalb wurden sie erst 1989 auf Film nachgewiesen, und manche der besten Bilder kommen von oben: Astronauten auf der Internationalen Raumstation fotografieren sie mit Blick hinab auf Gewitter.

Seit 2018 beobachtet das europäische Instrument ASIM außen am Columbus-Modul der Station Kobolde, Blue Jets, „Elfen“ (riesige leuchtende Ringe in etwa 90 km Höhe) und Gammablitze aus Gewittern, um zu verstehen, wie Blitze und Weltraum zusammenhängen.

Kobold oder Polarlicht?

Beide sind rot und beide sind hoch, aber höchstens entfernt verwandt. Das Polarlicht wird aus dem All angetrieben: Teilchen von der Sonne, vom Erdmagnetfeld zu den Polen gelenkt; es kann stundenlang leuchten. Ein Kobold wird von unten angetrieben, von einem Gewitter, und ist nach wenigen Tausendstelsekunden vorbei. Pulsiert das rote Licht mit fernen Blitzen, ist es ein Kobold.

So fotografierst du Kobolde

Such dir ein großes Gewitter in 200–700 km Entfernung mit klarem Himmel dazwischen, einen dunklen Ort und einen tiefen, freien Horizont. Richte die Kamera knapp über das Gewitter, nimm mit einer lichtempfindlichen Kamera Video oder viele kurze Belichtungen auf und sieh sie Bild für Bild durch. Spätsommer- und Herbstgewitter über dem warmen Mittelmeer sind eine gute Zeit. Stell dich nie unter das Gewitter selbst.

Ein Roter Kobold von der Internationalen Raumstation aus

Ein Roter Kobold von der Internationalen Raumstation aus
Aufgenommen von der Crew der Expedition 31 am 30. April 2012, als die ISS von Zentral-Myanmar Richtung Malaysia flog: Der Kobold steigt über einem hellen Blitz auf. Bild: NASA Earth Observatory / ISS-Crew (gemeinfrei).

Verschiebe das Gewitter: Wann siehst du den Kobold, aber nicht die Wolke?

Wähle, wie weit das Gewitter entfernt ist. Wir berechnen, wie hoch ein Kobold (50–90 km) und die Wolkenobergrenze (12 km) über deinem Horizont erscheinen.

Verfolge die Station, die sie von oben sieht

Astronauten auf der ISS fotografieren Kobolde über Gewittern. Unsere ISS-Seite zeigt, wann die Station heute Nacht über deinen Himmel zieht.

Häufige Fragen

Was sind die roten Lichter über Korsika auf den viralen Fotos?

Rote Kobolde: Lichtblitze 50–90 km über einem Gewitter, die wenige Millisekunden dauern. Florian Riou fotografierte sie in der Nacht vom 16. auf den 17. September 2026 von Montemaggiore bei Calvi aus.

Wo war das Gewitter?

Bei Barcelona, etwa 500–700 km entfernt. In dieser Entfernung liegen die Gewitterwolken unter dem Horizont, die viel höheren Kobolde aber noch einige Grad darüber.

Sind Rote Kobolde ein Weltraumphänomen?

Sie entstehen knapp unterhalb der Grenze zum All (100 km) in der Mesosphäre. Ausgelöst werden sie von Blitzen, nicht von der Sonne; Astronauten auf der ISS fotografieren sie oft von oben.

Kann ich einen Roten Kobold mit bloßem Auge sehen?

Selten, denn er dauert nur Millisekunden und ist lichtschwach. Kameras, die von einem dunklen Ort aus über ein fernes Gewitter hinweg Video aufnehmen, erwischen sie viel öfter.

Quellen und Berechnung

Quellen: L’essentiel (12. Oktober 2026) und UkrMedia (10. Oktober 2026) zu Florian Rious Fotos aus Montemaggiore in der Nacht vom 16. auf den 17. September 2026, Gewitter bei Barcelona in etwa 500–700 km Entfernung; NASA Earth Observatory, „Elusive Sprite Captured from the International Space Station“ (Foto ISS031-E-010712, 30. April 2012); ESA, Atmosphere–Space Interactions Monitor (ASIM). Höhenwinkel von Astrometrik auf einer kugelförmigen Erde ohne atmosphärische Refraktion berechnet. Florian Rious Fotos zeigen wir hier nicht, da sie urheberrechtlich ihm gehören; der Link oben führt zu ihnen.

Positionen und Zeiten wurden mit der von Astrometrik genutzten Himmelsberechnung (Astronomy Engine) nachgerechnet; Zeiten für Wien und Istanbul sind Ortszeit. Die Grafiken auf dieser Seite stammen von Astrometrik.

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