Valles Marineris, mit rund 3900 km Länge und über 9 km Tiefe der größte Canyon des Sonnensystems, galt als fossile Landschaft. Eine Studie in Nature Communications unter Leitung von Jung-Hun Song und Doyeon Kim vom Imperial College London verknüpft das Marsbeben S0976a, das NASAs InSight am 25. August 2021 von der Rückseite des Mars aufzeichnete, mit einer steilen Verwerfung 20–40 km unter dem Canyon, an der Krustenblöcke seitlich glitten. Einschläge und Erdrutsche wurden ausgeschlossen. Einschränkung: ein Beben, ein Seismometer, und InSight schweigt seit 2022.
Mars · Marsbeben · Planetengeologie
Der größte Canyon des Sonnensystems bewegt sich noch
Valles Marineris ist eine Narbe auf dem Mars, rund 3900 km lang, bis zu 600 km breit und über 9 km tief: Sie würde von Lissabon bis Moskau reichen. Sie entstand vor Milliarden Jahren und galt lange als fossile Landschaft. Eine Studie in Nature Communications unter Leitung von Jung-Hun Song und Doyeon Kim vom Imperial College London, mit Folarin Kolawole von der Columbia University, sagt nun: Mindestens eine Verwerfung darunter kann heute noch brechen.
Der Beleg ist ein einziges Marsbeben, S0976a, aufgezeichnet von NASAs Lander InSight am 25. August 2021. Es kam von der Rückseite des Mars und ist das einzige Beben, das InSight auf der westlichen Hemisphäre orten konnte. Frühere Arbeiten verorteten es grob am Westende des Canyons; die neue Studie klärt die Ursache.
Woher weiß man, dass es eine Verwerfung war?
Das Team prüfte jede denkbare Erklärung. Ein Meteoriteneinschlag hinterließe einen frischen Krater, ein großer Erdrutsch eine frische Narbe, doch Bilder des Mars Reconnaissance Orbiter zeigen keins von beidem. Beides konnte die seismischen Wellen auch nicht erklären.
Passend ist ein Blattverschiebungsbeben: Zwei Krustenblöcke gleiten entlang einer steilen Verwerfung etwa 20 bis 40 km unter dem Canyonboden seitlich aneinander vorbei. „Überzeugend ist, dass mehrere völlig verschiedene Arten von Belegen in dieselbe Richtung zeigen“, sagte Song. „Das ist nicht nur eine ‚tote‘ fossile Landschaft.“
Ein Beben, zwei Seiten des Mars
Eigene Astrometrik-Animation, vereinfacht und nicht maßstabsgetreu. Links: Seismische Wellen des Marsbebens S0976a unter Valles Marineris liefen durch den Planeten zu InSight auf der Rückseite. Rechts: die vorgeschlagene Quelle, eine steile Verwerfung 20–40 km unter dem Canyon, an der zwei Krustenblöcke seitlich gleiten (Blattverschiebung); Höhe überhöht.
Ein Planet ohne Plattentektonik, aber nicht ohne Verwerfungen
Die großen Erdbeben entstehen dort, wo Platten aneinander reiben. Der Mars hat keine beweglichen Platten, deshalb sind seine Beben seltener und schwächer. Die meisten der rund 1300 von InSight registrierten Beben kamen aus Cerberus Fossae, einer jungen Bruchzone nahe dem Lander. Valles Marineris galt als abgeschlossen, seit die Tharsis-Vulkane daneben vor etwa 4,1 bis 3,0 Milliarden Jahren wuchsen.
Das neue Ergebnis legt nahe, dass alte Verwerfungen unter heutigen Spannungen noch brechen können, etwa weil der Planet langsam abkühlt und schrumpft. „Auf einem Planeten ohne Plattentektonik können Strukturen, die vor Milliarden Jahren entstanden, wichtig bleiben“, sagte Kolawole. Und weil die Wellen den ganzen Planeten durchquerten, verraten sie auch etwas über sein tiefes Inneres. „Aus einem einzigen Marsbeben lernen wir etwas über das Zentrum des Planeten und über eine aktive Verwerfung unter einer seiner bemerkenswertesten Landschaften“, sagte Kim.
Ehrliche Einschränkungen
Es ist ein einziges Beben, und InSight war ein einzelnes Seismometer; die Ortung bleibt ungefähr. Die Blattverschiebung passt am besten zu den Daten, ist aber keine direkte Beobachtung einer bewegten Verwerfung. Neu sind die Daten auch nicht: InSight verstummte im Dezember 2022, weil Staub die Solarzellen bedeckte; dies ist eine neue Auswertung seines Archivs.
Gefährlich ist das für niemanden: Das Beben war nach irdischen Maßstäben klein und ereignete sich auf der Rückseite des Mars, über 8000 km vom Lander entfernt. Für die Planung zählt es aber. Künftige Lander und eines Tages bemannte Basen wollen wissen, wo der Mars noch bebt, und ein Netz von Seismometern statt eines einzelnen würde klären, wie aktiv der Canyon wirklich ist.
Wie die Ursache gefunden wurde
Jede Erklärung wurde an den Wellen geprüft, die InSight aufzeichnete:
- ausgeschlossenMeteoriteneinschlagkein frischer Krater auf Orbiterbildern; Wellen passten nicht
- ausgeschlossenErdrutschkeine neue Rutschnarbe; Wellen passten nicht
- passtBlattverschiebung in 20–40 km Tiefebeste Übereinstimmung mit den Wellen
Canyons im Vergleich
| Valles Marineris (Mars) | Grand Canyon (Erde) | |
|---|---|---|
| Länge | ≈ 3900 km | ≈ 446 km |
| Breite | bis 600 km | bis 29 km |
| Tiefe | > 9 km | ≈ 1,8 km |
| Entstehung | Kruste neben den Tharsis-Vulkanen auseinandergezogen | vom Colorado River eingeschnitten |
| Noch aktiv? | mindestens eine Verwerfung, laut Studie 2026 | Flusserosion geht weiter |
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Häufige Fragen
Ist Valles Marineris noch aktiv?
Eine Studie von 2026 in Nature Communications verknüpft das Marsbeben S0976a, das NASAs InSight am 25. August 2021 aufzeichnete, mit einer Verwerfung 20–40 km unter dem westlichen Valles Marineris. Mindestens eine Verwerfung unter dem Canyon kann demnach heute noch brechen.
Wie groß ist Valles Marineris?
Rund 3900 km lang, bis zu 600 km breit und über 9 km tief: etwa neunmal so lang und fünfmal so tief wie der Grand Canyon in Arizona.
Gibt es Beben auf dem Mars?
Ja, Marsbeben. NASAs Lander InSight registrierte zwischen 2018 und 2022 rund 1300. Sie sind schwächer als große Erdbeben, weil der Mars keine beweglichen Platten hat.
Woher weiß man, dass es kein Meteoriteneinschlag war?
Orbiterbilder zeigen an der Quelle weder einen frischen Krater noch einen neuen Erdrutsch, und Einschlags- oder Rutschungsmodelle konnten die Wellen nicht erklären. Eine seitlich gleitende Verwerfung (Blattverschiebung) tief unter dem Canyon passt am besten.
Quellen und Berechnung
Quellen: J.-H. Song, F. Kolawole, D. Kim et al., Nature Communications (Oktober 2026), DOI 10.1038/s41467-026-78193-6; Imperial College London (15. Oktober 2026); Universe Today (23. Oktober 2026). Maße des Grand Canyon vom US National Park Service; Zahl der InSight-Beben von NASA/JPL.
Positionen und Zeiten wurden mit der von Astrometrik genutzten Himmelsberechnung (Astronomy Engine) nachgerechnet; Zeiten für Wien und Istanbul sind Ortszeit. Die Grafiken auf dieser Seite stammen von Astrometrik.
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